Willkommen in Blankenfelde-Mahlow
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Aus der Bank ins Rathaus: Neuer Bürgermeister will verbinden

Bürgermeister
Michael Schwuchow

Mit Freude ins Abenteuer

Stand: Oktober 2019

Zwei Dinge sollte ein Bürgermeister besonders gut können: Mit Geld und mit Menschen umgehen.

Er muss eigene Ideen haben und anderen zuhören können, Mehrheiten organisieren, Konflikte moderieren und lösen. Und was die Finanzen betrifft, sollte er angesichts von rund 70 Millionen Euro Rücklagen der Gemeinde mehr als das Einmaleins können.
Seit dem 1. Oktober 2019 ist Michael Schwuchow als Oberhaupt der Gemeinde offiziell im Amt.
Dass er sich mit monetären Fragen auskennt, wird niemand bestreiten, schließlich ist er gelernter Bankkaufmann. Er war bis einen Tag vor Antritt als Bürgermeister 32 Jahre und acht Monate im Bank- und Kreditwesen tätig.
„Hier habe ich zugleich immer viel mit Menschen und ihren ganz unterschiedlichen Ansprüchen, Zielen und Charakteren zu tun gehabt. Ich habe gelernt, mich in die Position des Gegenübers hineinzuversetzen, also die Perspektive zu wechseln, um das Anliegen der Bankkunden zu verstehen und sachlich bewerten zu können. Am Schluss gehörte es dazu, meine Entscheidung verständlich zu kommunizieren.“
Das sind Fähigkeiten, die er ganz sicher brauchen wird, in der großen, aber nicht einfach zu lenkenden Gemeinde.

Traumjob oder Konfliktmanager?
Michael Schwuchow ist niemand, der schon das halbe Leben die Politikerbrille auf hat. Mancher wird sich fragen, ob das ein Vor- oder ein Nachteil ist. Er wechselt aus dem vollen Berufsleben direkt auf den Stuhl des Bürgermeisters und löst hier nach 16 Jahren Vorgänger Ortwin Baier ab.
„Ich weiß, dass ich mich in spezifische Verwaltungsaufgaben erst noch einarbeiten muss, habe aber in meinem Berufs­leben oftmals vor neuen Herausforderungen gestanden. Jetzt freue ich mich darauf, die Mitarbeiter und die Abläufe im Rathaus kennenzulernen. Ich werde immer wieder fragen, wo es besonders gut läuft. Dann kann man die Hinweise auf Probleme sowie Anregungen viel besser einordnen“, zeigt er vollen Optimismus.
Der verlässt ihn nicht, wenn er auf die Zusammenarbeit mit den Gemeindevertretern angesprochen wird. „Alle politisch Verantwortlichen kennen den Druck von Seiten der Einwohner, dass die endlose Geschichte der gegenseitigen Vorwürfe, der nie endenden Konflikte sowie der Anschuldigungen und Beleidigungen der Vergangenheit angehören muss. Die neue GVV und die Bürgermeisterwahl sind eine Chance, die alle gemeinsam nutzen sollten, die bisherigen Gräben zuzuschütten“, ist der 53-Jährige der festen Überzeugung. „Ich scheue mich nicht vor wechselnden Mehrheiten oder davor, gute Vorschläge von anderen mehrheitsfähig zu machen. Es geht nicht um Parteipolitik, sondern um Fortschritte für die Gemeinde.“

Video im Internet
Dass Kinder auf ihre Eltern stolz sind, das soll ja öfters vorkommen. Was aber der 20-jährigen Tochter Charlotte Schwuchow einfiel, ließ aufhorchen. Sie hatte vor der Wahl einen Videoclip im Internet eingestellt, in dem sie ihren Papa als klugen Kopf mit schlauen Ideen und einer sehr geordneten Art charakterisiert. Dem werden die Söhne Tobias Schwuchow, 22, und Fabian Schwuchow, 18, sicher ebenso ohne Vorbehalt zugestimmt haben wie Ehefrau Constanze Schwuchow.
Der neue Bürgermeister von Blankenfelde-Mahlow stammt aus Berlin-Kreuzberg und ist in den 1990-er Jahren mit seiner Frau auf der Suche nach einer Bleibe im Grünen mit sehr gutem Berlinanschluss gewesen. Da war Mahlow mit der S-Bahn vor der Haustür schnell erste Wahl. „Diese Entscheidung haben wir nie bereut. Hier sind unsere Kinder aufgewachsen und zur Schule gegangen. Irgendwann war es mir zu wenig, nur alle paar Jahre als Wähler ein Kreuz zu machen. Also entschloss ich mich zum aktiven Mitwirken“, erinnert er sich.
Schritt für Schritt wuchs das Engagement, erst als sachkundiger Einwohner, dann von 2015 bis 2017 als Nachrücker in die SPD-Fraktion der GVV. „Jetzt als Bürgermeister stelle ich mich der Herausforderung, mit Herz und Verstand Politik zu machen.“ Viel Zeit für Hobbys wird da sicher nicht bleiben. Aber vielleicht schafft er es, hin und wieder am Billardtisch zu stehen.
Eine andere Leidenschaft ist es, alte Möbel aufzuarbeiten und ihnen ein zweites Leben zu schenken. „Ich mache einfach zum Ausgleich gern etwas mit den Händen, wo man sieht, was man geschaffen hat“, sagt er und weiß zugleich, dass er in Zukunft sichtbare Ergebnisse nicht mit Farb­pinsel, Schraubzwinge oder Säge sondern in politischen Debatten und mit viel Schreibtischarbeit erreichen muss.

Womit anfangen?
Michael Schwuchow hat klare Vorstellungen davon, welche Schwerpunkte auf der Tagesordnung ganz oben stehen.
„Ich habe eine Postkartenumfrage dazu gemacht, wo der Schuh drückt. Das Ergebnis war sehr eindeutig. Die Bürger ärgern sich an vielen Stellen über die Beschaffenheit von Geh- und Radwegen sowie Straßen mit uraltem Kopfsteinpflaster. Hier müssen wir schnell und sichtbar etwas ändern. Das ist machbar, zumal in Brandenburg die Straßenausbaubeiträge für schon vorhandene Straßen Mitte 2019 abgeschafft wurden. Das bedeutet, dass die Anlieger in vielen Fällen nicht mehr zur Kasse gebeten werden müssen. Wir werden uns dem weiteren Zuzug stellen und als Sofortmaßnahme eine zusätzliche neue Kita bauen, diesmal im Bereich Musikerviertel. Ich bin für das Konzept einer Klima­hülle für diese Kita, um die Entwicklung zur energieneutralen Gemeinde weiter voranzutreiben. Aber wenn das nicht schnell umsetzbar ist, dann werden wir die Kita zunächst konventionell bauen und später nachrüsten. Am Thema Schwimmbad bleiben wir dran, aber das muss so hinbekommen werden, dass es keine ausufernden Folgekosten gibt. Vorstellbar wäre eine weitere Bürgerbefragung generell zur Sportstättensituation.“
Angesichts hoher Mietkosten für das Verwaltungsgebäude in der Ibsenstraße muss der Rathausneubau erneut angegangen werden.
„Leider ist durch die Streitigkeiten die Baugenehmigung abgelaufen. Es wurden drei Millionen Euro im märkischen Sand versenkt“, ärgert sich der neue Bürgermeister sichtbar.


Kreuzungsbahnhof und Stadtwerke
Er hat zudem wichtige Zukunftsprojekte im Blick.
Da wäre zum einen die Idee vom Kreuzungsbahnhof zwischen Mahlow und Blankenfelde.
„Wenn es dort eine Umsteigemöglichkeit von der Dresdner Bahn zum Berliner Außenring geben würde, dann wäre das zugleich eine direkte Schienenverbindung der Gemeinde in die Landeshauptstadt Potsdam sowie in Richtung Königs Wusterhausen und Wildau mit der dortigen Hochschul- und Wissenschaftslandschaft.“ Michael Schwuchow will zudem die Gründung gemeindeeigener Stadtwerke für günstige Strom- und Gastarife vorantreiben.
„Sinnvolle Investitionen sind besser, als Geld bei den gegenwärtigen Negativzinsen auf einem Konto liegen zu lassen.“
Man hätte somit die Chance, die Klimaneutralität des Ortes weiter voran zu bringen, weil man dann weiß, woher die Energie kommt.
Man kann dabei zudem neues Geld verdienen.