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Bayrische Gastwirtstochter macht Furore: „Die Schatten sind blau, das interessiert keine Sau!“

0176/29554513 0176-29554513 017629554513
Künstlerin
Linda Blüml
Telefon:01 76/29 55 45 13
Website:www.lindablueml.de

Großes Kino aus Groß Kienitz

Stand: Oktober 2019

Ausgerechnet im kleinen Groß Kienitz entstehen Ideen für großes Kino. Das passiert in einem versteckten Atelier auf einem Industriegelände.

Linda Blüml beschäftigt sich hier mit Ausstattung für den neuen Film von Erfolgsregisseur Wes Anderson. Er ist vielen vom Kinohit „Grand Budapest Hotel“ mit den Super-Stars Bill Murray und Owen Wilson bekannt, der bei der Berlinale von der Jury ausgezeichnet wurde und so den Silbernen Bären bekam.
Berlin-Besuchern ist die 42-jährige Künstlerin vom DDR-Museum bekannt. „Dort war ich für die Vitrinen im Eingangsbereich tätig“, gibt sie Einblick.

Sprudelnde Kreativität
Doch ihr eigentliches Hauptaugenmerk liegt auf Bildern und Skulpturen. Letzte glänzen in reinweißem Stein und sind oftmals größer als sie selbst: „Ich habe hier den Zufall wirken lassen und kleine Knetfigürchen gemacht. Diese wurden anschließend in große Skulpturen umgewandelt, da sie klein nicht wirken, wie ich festgestellt habe.“
Damit greift sie ihre Anfänge auf: „Der Schnee ist weiß, die Schatten sind blau, doch interessiert das keine Sau“, hatte sie als Kind auf einen Zettel gekritzelt. „Es sprudelte einfach aus mir heraus, ich muss schreiben, malen oder bildhauern. Die handwerklichen Grundlagen bekam ich auf der Waldorfschule. Ein wenig dürfte es in den Genen liegen. Meine Oma hat gemalt, meine Mutter Ingrid Blüml macht das ebenfalls. Die Eltern hatten Gaststätten in Oberbayern, doch sie wollten keine bayrische Touristenromantik sondern boten schon früh in den 1970-er Jahren Vollkorngerichte an. Damals war das exotisch und wenig gefragt“, blickt sie zurück. „Als ich gerade mal acht Jahre alt war, stieg mein Vater aus der Gastronomie aus, hängte die Kochschürze an den Nagel und entschloss sich, Drehorgelbauer zu werden.“

Kunst ohne Studium
Linda Blüml stieß also auf elterliches Verständnis, als sie gleich nach der Schule begann, sich hauptberuflich in der Kunst zu verwirklichen. „Ich musste einfach Werke schaffen, es war in mir und wollte raus. Da war gar keine Zeit für ein Studium“, erklärt sie ihren ungewöhnlichen Weg. „Ich habe mich lange mit dem Thema, was Handlungsfreiheit bedeutet, auseinandergesetzt. So entstanden Gesichter, Hände oder komplette Figuren aus Holz oder in Steinbildhauerei. Parallel habe ich gemalt.“
Bereits mit 23 Jahren hatte sie ihre erste eigene Ausstellung im oberbayrischen Traunstein. „Bei den Bildern war mein Hauptthema die Kuh als Symbol des Lebens und der Heimat inmitten einer Landschaft. Diese variierte von Bild zu Bild, wurde immer kälter, war schließlich schneebedeckt“, erzählt sie.

Abenteuer Berlin
2005 kam sie „nach reif­licher Überlegung“ in Berlin an und landete in einer Miniwohnung im damals eher heruntergekommenen Prenzlauer Berg. „Mein Nachbar war ein Drogensüchtiger auf Entzug. Er war sehr aggressiv. Das hat mir die Augen für sein Inneres offenbart. Wir freundeten uns an“, erklärt sie.
Nach der Beschäftigung mit Pablo Picasso begann ihre neue Schaffensphase, die immer noch anhält. Mittlerweile ist sie wieder zu den Menschen zurückgekehrt, wie Akte und andere Darstellungen zeigen.
Ein weiteres wichtiges Thema für sie ist das „übertriebene Prestigedenken“. Das spricht sie mit Teddybären aus Marmor und anderen Kuschel­tieren aus kaltem Stein an.
„Die sind schon vom Material her sehr wertvoll und doch für den Gebrauch völlig wertlos, weil man sie ja nicht kuscheln kann“, erläutert sie.

Menschen im Blick
„Mir ist es wichtig, dass ich mit meiner Kunst in den Menschen etwas bewege. Ich habe früher unter jedes Bild ein Zettelchen mit einem kleinen Gedicht gehängt, um eine zusätzliche Ebene für die Wahrnehmung einzurichten. Deshalb ist mir ein Anliegen, dass die Bilder einen Titel haben, denn das führt zu weiteren Gedankengängen im Betrachter.“
Momentan ist sie aber dabei, das eigene Kopfkino zur Realität werden zu lassen: „Ich habe vor 20 Jahren das Drehbuch zu einem Film angefangen, das ich jetzt endlich zu Ende bringen will. Es geht um eine Wasserbauingenieurin, die sich als Frau in einem Männerberuf hochkämpfen muss und im Rahmen einer spannenden Geschichte auf die Folgen des Klimawandels stößt“, verrät sie. Damit hat Groß Kienitz also große Chancen, nach Wes Anderson am großen Kino dranzubleiben!